Die Geschichte von Breakbeat, Jungle bis zu Drum'n'Bass in Frankfurt am Main
Bereits in den 50er Jahren als deutsche Jazz Hauptstadt gefeiert, avanciert Frankfurt Anfang der 90er Jahre zur europäischen Wiege der elektronischen Musik Bewegung. Das Groove Magazin wird geboren, Sven Väth erlangt als DJ & Producer Weltruhm und namhafte Labels wie Eye-Q oder Harthouse errichten Ihre Basis in der Rhein-Main-Metropole. Aus der "Musikschmiede Frankfurt" kommen viele Künstler und Hits auf dem Weltmarkt.
Die Erfolgstory der Breakbeats beginnt ein paar Monate später als in Mannheim, nämlich im Jahr 1992...
Das kleinere Mannheim löst im großen Frankfurt das Breakbeat Fieber aus und sogar Stammgäste aus Sven Väth's Omen Club ersetzen ihre "Velvet Monkey" Klamotten durch Adidas OldSchool Trainingsanzüge um in XS auf Breakbeats zu feiern.
Mitte 1993 beginnen sich in Frankfurt erste lokale Strukturen zu bilden. Mit Leuten wie Kwik (heute Kuttin Edge Beats), Scoobreak, Soniq, T-Fly oder G-Load taucht die erste Frankfurter Jungle DJ Generation auf. Sie organisieren die offiziellen XS Freitag Warm Up Sessions, die mit großem Erfolg erst in der Sachsenhäuser Altstadt, dann im Erdbeermund Club zelebriert werden und D&B noch näher an die Frankfurter bringen.
1995 erleidet die aufstrebende Jungle Szene im Rhein-Main-Neckar-Gebiet einen schweren Schlag, als innerhalb kürzester Zeit das milk! und XS schließen (zum Jahresbeginn 2001 auch das Dorian Gray).
Die Schließungen sind gleichzeitig der Anfang vom Ende der großen Rhein-Main-Neckar-Massive, da sich von da an die Regionen unabhängig voneinander weiterentwickeln. In Rhein-Neckar kommen immer größere D&B Events wie Vibration, Crime oder Meditation in Fahrt, während sich in Frankfurt die Szene mit kleinen, meist illegalen Events und Locals wesentlich langsamer aufbaut. Bassface Sascha versucht erfolglos mit dem Escape, einen neuen Breakbeatclub in FFM zu etablieren.
Aus der "XS-Generation" entspringen viele der Aktivisten die zu dieser Zeit und nohc heute ihren Beitrag zum Aufbau einer funktionierenden Frankfurter Szene leisten.
Veranstalter und Booker Stefan Enders, sorgt für einen längeren Zeitraum mit seiner Temptation Reihe für Aufsehen und holt u.a. UK Acts wie Peshay nach Frankfurt.
1996 macht Mad Vibes von sich als DJ und Produzent reden und startet mit Gyration sein eigenes Label.
1997 bringt Soniq zusammen mit Scoobreak die erste D&B Radioshow in Deutschland an den Start, RUFFM auf Radio X. Kuttin Edge Beats und ROB-B (heute aktiv als Veranstalter mit Breaks & the City) joinen einige Monate später das Team. Aufgrund verschiedener musikalischer D&B Schwerpunkte werden aus RUFFM drei unabhängige Redaktionen und Sendungen, die noch heute die Fahne hochhalten: Krunchtime mit K'Edge, Ruffmob mit Rob-B und FutureJazzSessions mit Soniq.
Die lokale Szene kommt immer mehr in Gang. Immer mehr Aktivisten kommen dazu und viel mehr illegale Partys kommen in Gang. Es gib Partys im Bockenheimer Exzess, am Mainufer, auf verlassenen Tankstellen, in der Friesstrasse, im ehemaligen Schlachthof etc.
In diesen Jahr werden außerdem die ersten Events in der noch illegalen Space Place Location abgehalten. Besonders erwähnenswert, Kemistry & Storm im Mai 1998 in einer unter Wasser stehenden Location auf der die Crowd sich auf Paletten bewegen muss und keine nassen Füsse zu bekommen.
Wichtige Aktivisten wie Frankie Machine oder System Killaz werden aktiv, die in naher Zukunft auch eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung von D&B in Frankfurt übernehmen.
1999 erhält die seit 1997 bestehende illegale Space Place Location die Lizenz und wird ein offizieller Club auf dem unregelmäßige D&B Events von dem RUFFM Radio Umfeld und diversen Locals gehostet werden.
In diesen Jahr bekommt Bassfacae Sascha mit Outbreak seine eigene Show auf dem überregionalen Sender HR XXL, die Ende 2003 aufgrund der Umstrukturierung von HR XXL auf das Mainstream-orientiertere YOUFM eingestellt wird.
Somit ist heute Radio-X der einzige Sender in Frankfurt, auf dem Drum & Bass gespielt wird: Regelmässige Sendungen im Rahmen der DJ-Night wie “Music for a Hard Life” von den System Killaz, “Art of Rollin`” mit der AOR Crew um Simon, Chopper, Miguel Ayala und MBR oder die Monsoon Crew halten neben den etablierten Sendungen aus dem ehemaligen RuffFM Umfeld hier die Fahne für den gebrochen Beat hoch.
Im Jahr 2000 startet im Space Place (jetzt Tanzhaus West) mit den Space Breaks endlich eine neue und regelmäßige Veranstaltungsreihe, die den härteren D&B Sound featured und von Simon & Neon gehostet wird. Space Breaks besteht noch heute und kann auf 5 Jahre aktive Clubkultur, sowie vielen internationalen Highlights mit Stolz zurückblicken.
Miguel Ayala von Precision startet mit Socio sein eigenes Label.
Precision meldet sich Mitte 2001 mit FUEL @ Robert-Johnson wieder mit eigener Partyreihe zurück. Zu Beginn noch im 3 monatlichen Rhythmus, dann bald monatlich. FUEL existiert noch heute und zählt ebenfalls zu den wichtigsten monatlichen D&B Reihen die Frankfurt vorweisen kann. Ein treues Publikum und eine coole Location runden den Abend perfekt ab.
Die FutureJazzSessions Crew startet Anfang 2003 die monatliche Solid Soul in Mainz und macht den „soulful“ Drum&Bass Sound im Rhein-Main-Gebiet salonfähig. Nach der Sommerpause 2004 zieht die Reihe in die Heimat Frankfurt. Solid Soul besteht ebenfalls noch heute und wird in unregelmäßigen Abständen in immer wechselnden Locations gemacht.
September 2003 schliesst das SpacePlace und wird kurze Zeit später als Tanzhaus West eröffnet.
Neueste Eventreihe ist Breaks & The City von Rob-B, Public und MC Bullit im o25. Eine Reihe die nach drei Events beweist, das man mit Local acts D&B, Jungle, NuSkoolBreaks, funky Breakbeats oder Reggae/Dub beste Party machen kann.
Zur „new generation“ der Szene gehört die Monsun und Club Kiew Crew, die seit ca. 2001 mit guten Events in underground locations glänzen. Etabliert ist der junge und talentierte DJ Chopper, der zum Precision Team gehört und mit "Art of Rollin" sein eigenes Label vorweisen kann. Erwähnenswert ist auch, der aus dem System Killaz Umfeld stammende DJ Rome, der mit Start seines eigenen und brandneuen Labels Blu Saphir, ein sehr spannendes Projekt für soulful D&B verfolgt, dessen erste Produktionen bei Elite DJs wie Marky, Flight oder XRS für große Anerkennung sorgt. Auch DJ Lomex gehört zu den neuen aufstrebenden DJ´s und wurde vor kurzem in das FutureJazzSessions Kollektiv aufgenommen, wo er neben Kuttin Edge Beats& MC Mike Romeo, den Job als Solid Soul Resident erhalten hat, sowie zu den Residents von Unity in Bass gehört.
Die Gegenwart und Infos über die aktuelle D&B Szene in Frankfurt am Main findet Ihr in den Cityreports.
Text: José, FutureJazzSessions (März 2005)
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