T3K Recordings - Ich werde den Virus "DNB" nicht los!
Hallo! Mein Name ist Kaiza. Ich bin seit 1996 "DNB-Positiv". Die Krankheit bestimmt mein Leben fast vollständig. Der Krankheitsverlauf entwickelte sich in den letzten 10 Jahren dramatisch: trotz vieler Therapieversuche (in Einzel- und Gruppensitzungen) und diverser Therapieformen wie intensivem DJing mit Vinyl, CD und Ableton, dem Veranstalten von Events, dem Betreiben einer Radiosendung (seit 10 Jahren wöchentlich!) und einiger Labels. Dies waren Tilt-Recordings mit DJ Hektik und Budoka ab 2003, Fish Recordings mit P3t3r Bark3r ab 2009 und T3K Recordings, ebenfalls ab 2009.
Auch durch den intensiven Genuss von grossen Mengen anderer Musik bin ich den Virus nicht los geworden. Im Gegenteil, es wird immer schlimmer und ich werde ja auch nicht jünger (im Gegensatz zum Großteil der "Szene")...
Wie bist Du zu Drum & Bass gekommen? Wie sah deine "DNB-Sozialisation" aus?
Anfangs kannte ich die Mucke nur von Tapes die ein Kumpel aus den Clubs mitgebracht hatte (Milk, XS). 1994 war ich dann auf der "N-Tropy" in Germersheim. Meine erste Party und direkt der totale Flash! Hab angefangen die ersten Vinyls zu kaufen und dann gings auch in der Walzmühle (Ludwigshafen) mit der ersten "Meditation" los. Dort war ich regelmässig.
Gegen 1996 hab ich angefangen selbst auf Parties "aufzulegen" bzw. selbst welche zu machen - alles natürlich ziemlich dilettantisch. Interessant wurde es später als wir das so als DJ-Team machen und an einem Strang ziehen wollten. Hauptsächlich waren das Bad Boy Kaiza, DJ Hektik, MC Shoota, und später noch Amex und P3t3r Bark3r. Wobei der Shoota dann nach München gezogen ist und es leider auch zwischenmenschlich nicht mehr wirklich gepasst hat. Zuvor waren wir aber alle stolz wie Harry auf den: MCing auf deutsch, seine Bühnenpräsenz und sein Networking - das war echt wichtig für uns.
Weiter gings mit "ernsthafteren Versuchen" selbst Musik zu machen. Nach ersten Solo-Versuchen und einigen Pausen dazwischen gab es um 2006 die ersten "amex & Kaiza"- Tracks. Ausserdem wurde die Idee geboren ein Label zu machen. Dies nannten wir Tilt-Recordings und hatte später 10 Vinyl- und mehr als 40 digitale Veröffentlichungen. Parallel gab es ein Netlabel namens T-FREE (weit über 100 Releases; alle frei erhältlich). Beide Labels sind durchaus bekannt und geschätzt. Gegen Ende 2001 hab ich ausserdem angefangen eine wöchentliche Radiosendung zu machen. Die mache ich übrigens immer noch.
Wer betreibt T3K Recordings, wofür steht das Label und welcher Sound wird veröffentlicht?
T3K Recordings ist mein Baby. Das Label wurde geboren um Musik zu veröffentlichen die mir gefällt. Der Labelsound bewegt sich zwischen Neurofunk und technoidem Drum & Bass. Ein guter Überblick über bisherige Releases gibt ein aktueller Promo-Mix ("Symcast 17") und eine Mix-Serie von mir ("The T3K Chronicles"):
Die Erfahrungen durch und die Querverweise zu Tilt-Recordings waren und sind natürlich da. Kurz zur Erläuterung: am Anfang war geplant, dass wir (DJ Hektik, Budoka, Kaiza) die Entscheidungen rund um Tilt-Recordings gemeinsam treffen. Das stellte sich als unrealistisch heraus. So kam es, dass DJ Hektik das Alltagsgeschäft übernahm und damit praktisch das Label führte. Grundsätzliches wurde gegen gecheckt, aber letztlich war er der Entscheidungsträger. Irgendwann wollte ich einfach unabhängiger agieren können. Dazu kam, dass eine Erweiterung der Labelstruktur ja keinesfalls schlecht sein konnte. Die ersten Releases auf T3K Recordings wurden dann von DJ Hektik umgesetzt. Ich hatte die Entscheidungsgewalt über "was", "wann" und "wie", aber er setzte dies zunächst um und half mir die Infrastruktur zu schaffen, lehrte mich Basiswissen und teilte seine Label-Erfahrungen. Unbezahlbar - Maximum Respekt dafür.
Mittlerweile habe ich mir diese und weitere Bereiche erarbeiten können (auch und vor allem wegen DJ Hektik!) und die Richtung eingeschlagen die mir richtig erscheint. T3K Recordings war von Anfang an ein teamorientiertes Projekt (Artwork kam vom Shots, Release-Engineering uvm von DJ Hektik). Heute macht Proton Kid aus Rumänien (Kriotek-Crew) sämtliche Artworks und Designs. P.O.D. von den Sickbrotherz hat die Internetseite massgeblich aufgebaut und P3t3r Bark3r hilft mir mächtig bei der Release-Vorbereitung und Promo. Hilfe bei der Umsetzung des Youtube-Channels ist ebenfalls vorhanden (Big Up Stardust!). Trotzdem sind bestimmte Bereiche noch vernachlässigt. Ich könnte noch einige Mitstreiter gebrauchen
Welche Kriterien sind ausschlaggebend bei der Auswahl von Artists und Tracks? Wer wählt aus? Bekommt ihr Demos geschickt und wählt oder geht ihr auf Artists zu?
Bisher hab ich praktisch alleine entschieden. Ich hole mir aber Feedback von Proton Kid und P.o.D. Ich achte auf Qualität: der Tune soll schieben und auch auf dem Dancefloor funktionieren. Meistens spreche ich Artists an um etwas zu signen. Ich bekomme zwar Tracks geschickt, aber die sind oft einfach nicht das, was ich suche oder noch nicht weit genug entwickelt. Ich wähle eigentlich unabhängig vom Namen aus. Mir geht es um die Musik. So kommt es, dass auf T3K Recordings auch viele Newcomer veröffentlicht werden. Zum Beispiel Forbidden Society, der mittlerweile ein Big Player in der entsprechenden "Szene" ist. Zum Zeitpunkt seiner Releases auf T3K Recordings war er ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Auf der T3K EP (T3K023) kam ein Bioforms-Track raus. Und obwohl Dephzac, ein Teil der Bioforms, nie ganz unbekannt war, werden die Leute auch erst jetzt auf ihn aufmerksam, weil er einen Release auf Dispatch Recordings hat. Auch Mefjus war bis dato ein Geheimtip. Jetzt ist er auf Neosignal, Bad Taste und Citrus gesigned und wird einige Wellen verursachen. Sein Track auf der T3K EP war auch eher "for those who know".
Auf T3K Recordings gab es bis dato ausschliesslich digitale Releases. Ist das eine bewusste Entscheidung gewesen oder wie kommt es dazu?
Naja, ein "richtiges" Vinyl-Label zu betreiben verlangt schon höheren Aufwand. Das hab ich mir damals nicht zugetraut. Zudem kommen natürlich finanzielle Aspekte. Ohne jetzt hier die ganze "Digital vs Vinyl"-Debatte aufrollen zu wollen, meine ich aus der Erfahrung durch Tilt-Recordings sagen zu können, dass ein selbstgeführtes Vinyl-Label ein Geldgrab ist. Wenn man sich auf einen sog. "Press & Distribute"-Deal einlassen will, dann kann man den Aufwand natürlich einschränken. Man erkauft sich dies aber mit Kontrollverlust und einer Menge Abhängigkeiten. Jeder der schon mal hinter die Kulissen geschaut hat, weiss über die zentrale Position der Vertriebe, ihre gängige Praxis und damit zusammenhängende Aspekte bescheid. Grosse und bekannte Vinyl-Vertriebe agieren in ihrem eigenen Interesse. Das Interesse der Labels ist dabei zweitrangig. Da werden Labelowner schlicht über den Tisch gezogen. Oftmals bekommen die Labelbetreiber nichtmal eine Kopie der VÖ. Ein Testpress und das wars. Mittlerweile "darf" der Labelbesitzer dem Vertrieb Vorschläge machen was released werden soll und der Vertrieb entscheidet. Das kanns nicht sein! Digitale Labels können schnell und relativ unabhängig entscheiden. Der Release kommt ggf. schnell in die Shops und die Leute können relativ kostengünstig drankommen. Leider führt dies zu einer Menge Schund, da die Qualitätskontrolle "Vinylrelease" nicht greift. Die Folge ist eine überwältigende Anzahl von Veröffentlichungen pro Woche. Viele verlieren den Überblick, oder hatten ihn nie, und kaufen eben nur die angesagten bzw. von den Shops angepriesenen Namen. Teufelskreis imo.
Ein durchaus interessanter Alternative des "digital-only releasing" ist die Gründung eines Netlabels. Man veröffentlicht Musik, ohne damit Geld einzunehmen. "Music is a prizeless art!"-Style. Bestimmte Dinge, wie bspw. fehlende Restriktionen (wie Absatzzahlen o.ä.) verstärken dann u.U. die Probleme des digitalen Releasens. Es gibt ne Menge schlechter Beispiele, aber eben auch einige wenige Projekte, die es schaffen oder geschafft haben das auf eine tolle Art und Weise umzusetzen.
Tilt-Recordings gab mir die Möglichkeit vinylbasierte Veröffentlichung mit zu erleben, den Sprung in Richtung "digitalem Markt" mit zu machen (T-FILES) und parallel zu erfahren, wie man Musik kostenlos unter die Leute bringen kann (T-FREE). DJ Hektik hat die Abwicklung der Vinylreleases in Eigenregie gemacht und ich war praktisch neben dran. Auch die Umsetzung und der Verkauf von digitalen Medien wie MP3 bzw. der kostenlose Vertrieb wurde von ihm abgewickelt und ich konnte ihm über die Schulter schauen. Ich greife jetzt auf einige dieser Erfahrungen zurück. Manche Fehler muss ich natürlich auch selber machen und manche seiner Fehler mache ich vielleicht nicht, aber unter dem Strich bin ich soweit ganz zufrieden damit T3K Recordings als "digital only" zu bezeichnen. Vinyl ist nicht ausgeschlossen, aber momentan schlicht nicht geplant.
T3K Recordings und Mannheim. Wie passt das zusammen?
Eine lustige Frage, die gleichzeitig zu einer anderen führt: "Kaiza und Mannheim. Wie passt das zusammen?" Eine Stadt die als erste Breakbeats und Drum & Bass in Deutschland gefeiert hat und lange Zeit von Gross-Rave, Jump-Up und UK-Artists dominiert wurde auf der einen Seite und ein Kaiza, der eher auf kleinere Clubs, technoideren Stuff, aber auch auf viele andere Spielarten von Drum & Bass und Sound unabhängig von "UK" und "Big Name" steht, auf der anderen Seite. Immerhin bin ich seit 1996 aktiv und wohne praktisch die ganze Zeit hier. Ich hab ne Menge ausprobiert, Parties veranstaltet und mache eine recht abwechslungsreiche Radiosendung (DMF Radioshow seit 10 Jahren!) und trotzdem bin ich in den Augen vieler festgelegt auf einen Sound, auf ein Image und auf ein Bild. Unterm Strich gab es Bookings in Polen, Frankreich, Italien, Portugal, Belgien, Bulgarien, Spanien, Österreich, in der Slowakei, ja sogar in England (lol) - es gab auch einige in verschiedenen Teilen Deutschlands, aber in Mannheim wurde ich eher weniger gebucht. Und das liegt mit Sicherheit nicht nur an mir.
Die eigene Veranstaltungsreihe in der Suite (iDrums) würde ich als durchaus erfolgreich bezeichnen. Klar, es war ein kleiner Floor, aber DJ Hektik und ich haben da eben etwas angeboten, dass es sonst nicht in Mannheim gab. Und wir haben mächtig gutes Feedback bekommen. Das ging soweit, dass die Leute nicht nur beim Gastspiel vom Cooh (aus Bulgarien) richtig durchgedreht sind, sondern auch die Nächte, die wir allein und tatsächlich abwechslungsreich bestritten haben, waren wirklich Wahnsinn. Mich nervt diese Festlegung auf EINEN Sound. Wir haben doch bewiesen, dass es anders geht. Was ich mir aber wünschen würde (wenn es nicht so verdammt unrealistisch wäre), wäre eine stärkere Kooperation der aktiven Mannheimer Veranstalter. Lange Rede, kurzer Sinn: ein durchaus zwiespältiges Verhältnis zwischen T3K Recordings bzw. Kaiza und Mannheim.
Was denkst du über die Szene allgemein oder genauer in Deutschland bzw. in Mannheim?
Also, soweit ich mich da auskenne, gibt es da viel Potential. Die übliche Problematik besteht halt leider darin, dass viele ihren Eigenwert eher über andere definieren. Gerade in Mannheim gibt es wenige, die Versuchen etwas wirklich Eigenes auf die Beine zu stellen. Zusätzlich scheint die "Szene" wesentlich über "politische" Moves zu funktionieren. "Du bist wen du kennst" ist ein entscheidender Grundsatz, wobei ich nix gegen "connecten" habe (im Gegenteil), aber meist sind das doch sehr temporäre und begrenzte Arrangements und das stört mich. Ich glaube Nebensächliches wird zu Ernst genommen und die tatsächlich wichtigen Sachen gehen den Bach runter: es wird sich nicht um längerfristige Entwicklungen geschert, statt dessen muss das eigene Ego direkt bedient werden.
Offensichtlicher Schwachsinn wie das ständige Kreisen um die immer selben UK-Artists und damit verbundenes Zahlen überhöhter Gagenforderungen bei gleichzeitig schwacher Leistung bzw. wiederholt abfälligem Verhalten kann doch nix. Klar, eine Umstellung auf eher heimisches Programm führt erstmal zu einem Besucherschwund, aber mit der Zeit gesundet sich das. Das ständige Beharren und die Fixierung auf Namen nervt mich. Es geht um Musik, oder? Und außerdem würde ich mir mehr Projekte wünschen, die auf humoristische Art und Weise mit der DNB-Szene spielen und alles nicht immer so bierernst abgecheckt wird. Ach ja, und noch was: wie wärs mit MCs die was drauf haben? Qualität statt Quantität anyone? 4 oder mehr MCs auf einer Party? Alle wollen zeigen wer der Mac ist? Durchgehendes Gesabbel auf unterem Niveau? Bitte nicht...
Welche Drum & Bass Artists schätzt Du besonders - Weltweit, bzw. in Deutschland?
Ich bin absoluter Fan und ich followe einen riesigen Teil der Releases im Drum & Bass-Geschehen. Es gibt soviel das mich kickt. Und deswegen gibt es auch ne Menge Artists die mich wirklich reissen. Die hier alle aufzuzählen ist unmöglich. Früher war nicht alles besser.
Was möchtest du mit T3K Recordings erreichen? Wo willst du hin? Was können wir von diesem Projekt erwarten?
Ich würde eigentlich nur gerne versuchen den Leuten gute Musik zu bieten. Wenn Drum & Bass-Heads dieses Label respektieren und es als valide Musikquelle bezeichnen, dann ist das schon mal viel Wert. Klar möchte ich mit dem T3K-Sound auch Einfluss nehmen, aber da ist die DNB-Szene schon ne harte Nuss, so schnelllebig wie alles abgehandelt wird. Mal sehen. T3K Recordings jedenfalls soll ein Projekt sein, dass abseits der ausgelutschten Pfade handelt und vielleicht dem einen oder anderen im Underground was geben kann. Zukünftige Releases werden mehr Material der Kernartists wie Proton Kid bzw. Kriotek, Eiton und Ogonek beinhalten, aber auch neue Namen ins Spiel bringen (Absurd, CA 2K, Hostage, Effect u.a.). Alle Infos und Updates finden sich immer auf www.t3kdnb.de!
Macht ihr auch Veranstaltungen bei denen man den T3K Sound live erleben kann?
Die gibt es tatsächlich. Nach dem Ende der alten Suite in Mannheim (hinter dem HBF) gibt es nun die Möglichkeit unseren Sound auch in der neuen Suite (Heinrich-Stephan-Str. in Mannheim; an der Post am HBF vorbei, am neuen Busbahnhof) zu erleben. Ein Testlauf letztes Jahr und ein Weiterer vor kurzem haben eindeutig gezeigt, dass Mannheim ein ordentlichen Schuss T3K-Sound vertragen kann. Also alle am 31.Oktober in die Suite kommen und mitfeiern. Killa Kela (UK) wird den Mainfloor auseinander nehmen und Kaiza und die Sickbrotherz haben Chicken von den Giana Bros. eingeladen. Dont miss this!
Big Ups, Last Word, Shouts
Big Ups an Sina, P3t3r Bark3r, Steffen P.o.D, Proton Kid, Eiton, und alle T3K Artists natürlich! Shouts gehen raus an alle Supporter! Ohne euch würde des alles noch weniger Sinn ergeben.
Gibt es sonst noch etwas das Du unseren Lesern mitgeben willst?
"Support the Underground!" und "Dont believe the Hype!"
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